Schweden

Schweden gewährt durch das „Jedermannsrecht“, einem ungeschriebenen Gesetz des Nordens, allen den freien Zugang zur Natur. Es ist empfehlenswert, sich damit zu beschäftigen, bevor man in die schwedische Natur eintaucht. Eine der Ausnahmen vom „Jedermannsrecht“  bilden die Nationalparks und auch wir
haben einen davon besucht in der Nähe von Isaberg, den Store Mosse
Nationalpark. Eine Moorlandschaft erstreckt sich über ein riesiges Gebiet, das nach der letzten Eiszeit entstanden ist und bildet den Lebensraum für eine einzigartige Flora und Fauna. Über Stege geht es weit hinein in das Moor, wobei das Wasser nicht selten bis zu den Füßen hoch schwappt. Am besten läuft man
mit Gummistiefeln oder im Sommer, bei gutem Wetter, in wasserfesten Sandalen über den schwankenden Boden.  Wir sehen Raupen, Amphibien und interessante Wasserpflanzen, für deren Betrachtung wir  unseren zweistündigen
Marsch immer wieder unterbrechen. Sie ziehen uns in ihren Bann und machen so unseren Spaziergang zu einer Entdeckungstour. Wir finden auch verschiedene Sorten von köstlichen Beeren, die uns ganz vorzüglich schmecken und uns die Wanderung versüßen. Ein Ranger führt uns durch das Moor und kann uns viele Dinge erklären. Wir haben Lupen dabei, die  uns einen Einblick in den Mikrokosmos der Wasserpflanzen erlauben. Es ist ratsam, Proviant im Rucksack mitzunehmen, ach ja und die Damen sollten vor dem Marsch wissen,
dass es unterwegs keine Toiletten gibt!  Schweden ist das Land der Elche und man sollte es keinesfalls verpassen, sich diese einzigartigen Tiere anzuschauen.In Isaberg gibt es ein eingezäuntes Gelände wo man riesige Elche gefahrlos beobachten kann. Immerhin kann so ein Tier mehrere hundert Kilo auf die Waage bringen und eine Begegnung in freier Wildbahn kann gefährlich werden.
Wir bewundern die schiere Größe dieser Tiere und fühlen uns fast wie auf Safari in Afrika, wo das Großwild zuhause ist.  Eines Morgens steige ich hinauf auf den Isaberg. Mein Blick schweift über die Wald- und Seenlandschaft, Nebelschwaden liegen über den Wäldern, eine friedliche Stille ruht an diesem Julimorgen über dem Land. Nur vereinzelte Skilifte erinnern daran,  dass hier im Winter wohl ein reges Skitreiben herrscht. Ein Holzturm an der Hügelspitze ist mit Antennen verschiedener Telefonanbieter wie ein Weihnachtsbaum bestückt. Aber das sind die einzigen Hinweise auf die technischen Errungenschaften unseres frühen 21. Jahrhunderts und sie mögen von großem Nutzen sein für jemanden, der sich in der weiten Wildnis verirrt hat. Den Tag oben auf dem Berg zu beginnen und in die weite Waldlandschaft hineinzuschauen erfrischt und belebt und wird noch lange nachklingen bis in die Tage des dunklen nordischen Winters.

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